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	<title>OFFENE PLATTFORM &#187; Borderliner</title>
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	<description>Ein Weblog für die, die kein Blog haben.</description>
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		<title>Borderline, Identität und Beziehung</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 08:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wocker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsschilderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Borderliner]]></category>
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		<description><![CDATA[So wie ich bin, mag mich keiner.
Wenn ich mein echtes Ich zeige, zerbricht die Beziehung.
Wenn ich anderen etwas vorspiele, verliere ich mich selbst dabei.
Identität ist ein schwieriges Thema. Wer bin ich, wie soll ich sein, wie sehen mich die anderen, wo ist mein Raum. Fragen, die immer wieder auftauchen und mich phasenweise fast zerrissen haben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>So wie ich bin, mag mich keiner.<br />
Wenn ich mein echtes Ich zeige, zerbricht die Beziehung.<br />
Wenn ich anderen etwas vorspiele, verliere ich mich selbst dabei.</strong></p>
<p><strong>Identität ist ein schwieriges Thema.</strong> Wer bin ich, wie soll ich sein, wie sehen mich die anderen, wo ist mein Raum. Fragen, die immer wieder auftauchen und mich phasenweise fast zerrissen haben. Da scheint es einfacher zu sein, sich an bereits bestehende Identitäten zu halten: Ich bin die Tochter, die sich meine Mutter vorstellt, ich bin die große Schwester, die die Verantwortung übernimmmt, ich bin der gute Kumpel, ich bin Skorpion, also bin ich&#8230;, oder so absurd das auch klingen mag, ich bin Borderliner, also bin ich&#8230; Identität wird so jedoch etwas &#8220;von außen&#8221;, da ich versuche, einer vorgegebenen Schablone zu entsprechen. Das spaltet mich, weil ich mein tatsächliches Ich unterdrücken muss bzw. gar nicht erst entwickeln kann. </p>
<p><strong>Irgendwann machte ich mich auf den Weg</strong> &#8211; zu mir? zu anderen? um mich weiterzuentwickeln? um mein wahres Ich zu finden? den Sinn des Lebens? Ich ging los, auch auf die Gefahr hin, von der Leere und Sinnlosigkeit in mir verschlungen zu werden und bestehende Beziehungen aufs Spiel zu setzen. Ich konnte es nicht ertragen, dass Menschen meine unkomplizierten und pflegeleichten Masken liebten und vor meinem zersplitterten Ich zurückwichen. Es war ein ständiges Versteckspiel, eine Farce, die mich auch in Gesellschaft einsam sein ließ. Echte Beziehungen ließen sich so jedenfalls nicht knüpfen, das war mir klar. </p>
<p><strong>Schwierigkeiten benennnen und nein sagen &#8211; das will ich nicht mehr.</strong><br />
Für mich war das damals besonders mein selbstschädigendes Verhalten, z.B. absolut ungesund essen, meinen Körper ignorieren, überfordern und ausbeuten, mich schneiden, mit Leuten zusammensein, die mich ausnutzen und mich missbrauchen, indem sie mich nur in einer bestimmten Funktion für sich selbst sehen, u.a. die gute Zuhörerin, die immer Zeit und ein offenes Ohr hat, für alles Verständnis aufbringt und je nach Bedarf zur Stelle ist, sprich an- und abgeschaltet werden kann. </p>
<p><strong>Sich Hilfe suchen und ja sagen &#8211; das wünsche ich mir.</strong><br />
Ich musste endlich wissen wer ich bin und Selbstrespekt entwickeln, ich wollte meinenKörper und mein Geschlecht annehmen können, um echte Beziehungen aufbauen und vor allem auch halten zu können. Mein damaliger Therapeut war der erste Mensch, der mir einen Raum nur für mich zur Verfügung stellte und mir die Chance gab, mich darin auszuprobieren und ihn anzufüllen. </p>
<p><strong>Seine innere Mitte zu finden</strong>, eine Basis, auf der man sicher stehen kann ist die Grundlage, um in Beziehung zu einem anderen Menschen zu treten, sei es nun freundschaftlich, partnerschaftlich oder auch einfach im normalen sozialen Umgang. Es bedeutet, dass man für sich einen eigenen Raum hat und auch dem anderen seinen Raum zugesteht. Dieser Prozess war für mich sehr, sehr schwierig, brauchte viel Zeit, ließ mich immer wieder straucheln und in alte Muster verfallen. </p>
<p><strong>Pläne machen und träumen &#8211; das kann ich erreichen.</strong><br />
In einem Erfolgsteamkurs lernte ich Menschen kennen, die mir guttaten, mich unterstützten und ermutigten, ich erkannte meine Fähigkeiten und bisherigen Leistungen, und konnte darauf aufbauend mein Hofprojekt in Angriff nehmen. Besonders die Tiere zeigten mir, dass ich sehr viel beziehungsfähiger bin, als ich selbst je gedacht hatte. Ich hatte genügend Ausdauer und Geduld, um in die Beziehung als Prozess einzusteigen und daran zu arbeiten. Durch diese Bestätigung von außen kam auch in mir etwas in Bewegung. Ein Ermutigungskurs half mir, dieses zerbrechliche, neue Ich zu stärken und zu entfalten. </p>
<p><strong>Bekannte Muster aufbrechen und Entwicklung zulassen &#8211; das kann ich werden.</strong><br />
Ich wollte nicht dabei stehenbleiben, ein Borderliner zu sein, das war nicht meine wirkliche Identität, aber es dauerte Jahre, bis ich mich selbst ernstnehmen und akzeptieren konnte, ein Gefühl für die eigene Mitte entwickelte und aus ihr heraus handelte. Inzwischen verlasse ich mich zunehmend auf meine Intuition und höre auf die innere Stimme. Selbstvertrauen ist für mich ein unglaubliches Geschenk, das im Laufe der Zeit entstand und mir wichtig ist, das ich mir aber auch immer wieder neu erarbeiten und festigen muss. Ich lerne gerade, mein bester Freund zu sein, und auch wenn es nichts Selbstverständliches ist, kann ich mich doch Stück für Stück darauf zu entwickeln. Mein Ich hat einen Raum gefunden und kann endlich sein. </p>
<p><strong>So wie ich bin, bin ich liebenswert.</strong><br />
Wenn ich mein echtes Ich zeige, kann ich echte Beziehungen aufbauen. Menschen, denen ich etwas vorspielen müsste, sind für mich nicht mehr interessant.</p>
<p>Und von einer Sekunde zur anderen kann auch alles wieder wie ein Kartenhaus einstürzen, mein Selbsthass springt mich an und lässt mich fliehen und zweifeln, abstürzen. Ich klopfe mir den Staub von den Kleidern und gehe weiter, meinen Weg.</p>
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		<title>Borderliner</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Apr 2009 11:02:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wocker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsschilderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Borderliner]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[mühelos leben]]></category>
		<category><![CDATA[Verläßlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Borderliner sind total irre, unausgeglichen und anstrengend.
Bei denen wei&#223; man nie, woran man eigentlich ist.
Borderliner sind laut, aggressiv, manipulierend und arrogant.
Bei denen ist jede Therapie für die Katz, lass blo&#223; die Finger weg.
Wer nie eine sichere, stabile Beziehung erlebt und kennen gelernt hat, sondern st&#228;ndig zwischen zu viel N&#228;he und riesengro&#223;er Distanz hin- und her [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Borderliner sind total irre, unausgeglichen und anstrengend.<br />
Bei denen wei&szlig; man nie, woran man eigentlich ist.<br />
Borderliner sind laut, aggressiv, manipulierend und arrogant.<br />
Bei denen ist jede Therapie für die Katz, lass blo&szlig; die Finger weg.</p>
<p>Wer nie eine sichere, stabile Beziehung erlebt und kennen gelernt hat, sondern st&auml;ndig zwischen zu viel N&auml;he und riesengro&szlig;er Distanz hin- und her geworfen wurde, ist im Umgang mit anderen Menschen vorsichtig und misstrauisch, die Angst vor Ablehnung, Zur&uuml;ckweisung oder Missbrauch und Ausgenutztwerden ist gro&szlig;. Schutz bietet eine starke Fassade und selbstsicheres Auftreten, auch wenn es oft nur Maske und Schein ist.</p>
<p>Wer erlebt hat, dass Worte, Bedeutungen, ungesagt Gemeintes und Taten v&ouml;llig verschiedenes sein k&ouml;nnen, der hat zwangsl&auml;ufig sensible Antennen entwickelt, um Unaufrichtigkeit, Tabus, versteckte Botschaften und Befehle aufsp&uuml;ren zu k&ouml;nnen. Oft jedoch sind andere ver&auml;rgert, wenn Themen angesprochen werden, die sie lieber im Dunkeln lassen, wenn auf das reagiert wird, was sie gar nicht gesagt haben, was aber auf anderer Ebene wahrnehmbar ist:</p>
<p>Leute schreien mich mit hochrotem Kopf an, sie seien NIIIEEE AGGRESSIV!!! und eine untereinander v&ouml;llig zerstrittene Vereinsgruppe verstrahlt in jeder Sitzung Harmonie und Einigkeit, weil jeder genau wei&szlig;, welche Themen tabu zu sein haben. St&ouml;re ich nun das Selbstbild vom friedlichen, verst&auml;ndnisvollen Zeitgenossen bzw. der Gruppeneinigkeit, bin ich ruck-zuck der aggressive Borderliner, der Unordnung und Chaos bringt, vorher war alles so friedlich und einfach, war es das? Analog dazu Therapeuten, die nat&uuml;rlich wie jeder andere auch ihre blinden Flecken haben, sich aber meist gleich in ihrem Selbstbild vom &#8220;Therapeuten-&Uuml;ber-Vater&#8221; angegriffen f&uuml;hlen und aus purem Selbstschutz Borderliner als schwierig und therapieresistenz abstempeln, sind sie das?</p>
<p>F&uuml;r mich als Borderliner ist vieles um mich herum unsicher, br&uuml;chig, verwirrend und manchmal auch einfach nur zu viel. Ich brauche Klarheit und Aufrichtigkeit, Menschen, die bereit sind, ihre Wahrheit anzuerkennen und sich nicht wie bei einer Gehirnw&auml;sche gebetsm&uuml;hlenartig die gleichen So-soll-es-sein-S&auml;tze wiederholen, in der Hoffnung, dass sie dadurch richtiger werden. Harmonie, Liebe, Freude kann nicht auf Befehl angeordnet werden, Charakterz&uuml;ge, Probleme, Krisen verschwinden nicht dadurch, dass ich nicht hinsehe, mich nicht damit auseinandersetze oder sie einfach leugne und schwuppdiwupp wegdiskutiere.</p>
<p>Ich kenne meine Schwierigkeiten beim Aufbau und Erhalt von Beziehungen, dass ich lieber fliehe und den Kontakt abbreche, weil ich Angst davor habe, mich auf einen Menschen einzulassen. Ich wei&szlig;, dass ich aggressiv und impulsiv sein kann, dass ich andere mit meiner Art verletze oder kr&auml;nke, dass Offenheit und Klarheit wehtun k&ouml;nnen und vielleicht alte Wunden aufrei&szlig;en. Ich arbeite an mir, ich verstecke diese Schwierigkeiten nicht, und ich weiche nicht wie so viele &#8220;Normale&#8221; auf verdeckte Kampfmethoden aus, die genauso gemein und brutal sind, sich aber leichter vertuschen lassen und als &#8220;Missverst&auml;ndnis&#8221; weggeredet werden k&ouml;nnen. Im Zweifelsfall ist es nat&uuml;rlich am einfachsten, denjenigen auszuschlie&szlig;en oder zu diffamieren, der im Grunde genommen nur die &#8220;Nacktheit des Kaisers&#8221; festgestellt hat.</p>
<p>Borderliner haben wie jeder andere Mensch auch etwas zu geben und sind besondere Menschen. Ich kann sicher nicht f&uuml;r alle sprechen, aber ich z.B. bin kreativ, habe viele Ideen und laufende Projekte, ich bin begeisterungsf&auml;hig und spontan, mitrei&szlig;end und hilfsbereit. Ich kann Verantwortung &uuml;bernehmen und bin zuverl&auml;ssig, und meine Aggressivit&auml;t ist oft auch eine enorme positive Kraft, die mich vorw&auml;rtsbringt und Klarheit schafft. Vielleicht reicht das nicht, um in der Welt als vollwertiges Mitglied anerkannt zu werden, aber ich brauche dieses kleine Gegengewicht, wenn ich durch Vorurteile und pauschale Ablehnung w&uuml;tend und hilflos bin, damit ich meine Bestimmung nicht aus den Augen verliere und gerade als Borderliner die Welt ein bisschen sch&ouml;ner mache.</p>
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