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	<title>OFFENE PLATTFORM &#187; Inga Wocker</title>
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	<description>Ein Weblog für die, die kein Blog haben.</description>
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		<title>Mythos Beziehungsunfähigkeit</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Jan 2011 16:09:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wocker</dc:creator>
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<p><strong>Borderliner sind extrem in ihren Beziehungen</strong>, sie lieben oder hassen, sie können keine Beziehung aufrecht erhalten, sie stoßen die von sich, die sie am meisten lieben. Mit einem Borderliner wird jede Beziehung ein Drahtseilakt, der früher oder später zum Absturz führt, besser, man hält sich fern. Realität? Klischées? Abgestempelt aufgrund einer Diagnose? Selbsterfüllende Prophezeihung? Der Weg des geringsten Widerstandes? Zugegeben, ich bin befangen, da ich selbst Borderliner bin. Damit bin ich jedoch gleichzeitig kompetente Expertin. Ich habe mich jahrelang selbst als beziehungsunfähig bezeichnet, bin Beziehungen daher eher aus dem Weg gegangen und habe nicht weiter darüber nachgedacht.</p>
<p><strong>Meine Erfahrungen</strong> mit den Tieren auf meinem Hof haben mir jedoch gezeigt, dass ich sehr wohl in der Lage bin, Beziehungen einzugehen. Ich laufe nicht davon, wenn es schwierig wird, ich habe Geduld und Ausdauer, ich lasse dem Tier seinen Raum, ich bin einfühlsam und sensibel. Wir lernen voneinander und die Beziehung entwickelt sich, wächst, wird sicher und verlässlich. Ich bin natürlich auch wütend oder genervt, habe einen schlechten Tag oder es bedrückt mich etwas ganz anderes. Genauso haben sie ihre verrückten 5 Minuten, wissen meist genau, wie sie mich auf die Palme bringen können und sind manchmal schlicht so nervig, dass ich sie am liebsten auf den Mond schießen würde. Doch ich gehe weiterhin mit ihnen spazieren, füttere und tränke, miste aus und beschäftige mich mit ihnen. Je länger ich sie kenne, desto stabiler wird die Beziehung, desto sicherer werde ich und desto verlässlicher werden die Tiere. Und das genau ist vielleicht der große Unterschied zu Menschen.</p>
<p><strong>Eine Beziehung zu einem Menschen aufbauen ist immer ein Risiko</strong>, ich kann mich nicht darauf verlassen, dass sie sich weiterentwickelt und tatsächlich stabiler und sicherer wird. In Beziehungen mit Menschen fehlt mir oft die für mich notwendige Klarheit und Direktheit. Wenn eine Beziehung nicht klappt, trägt jeder anteilig 50% dazu bei, daher bin ich mittlerweile soweit, nicht freiwillig die 100% zu übernehmen, nur weil ich ein &#8220;beziehungsunfähiger Borderliner&#8221; bin. Auf meine Kappe nehme ich hingegen, und das wäre meine vorläufige neue These zu diesem Problem, dass ich mir unbewußt vielleicht gerade solche Menschen aussuche, die selbst Schwierigkeiten mit Beziehungen haben und vor Klarheit und Verbindlichkeit in ihre Vernebelungstaktiken und Doppelbödigkeiten fliehen, die mich dann auf die Palme bringen und mir den Boden unter den Füßen wegziehen. Damit ist das Ende absehbar und ich bleibe zurück als &#8220;beziehungsunfähiger Borderliner&#8221; &#8211; auf zur nächsten Runde.</p>
<p><strong>Ich habe Anfang 2010 eine langjährige Freundschaft dahingehend auf die Probe gestellt</strong> und genau das bestätigt bekommen. Unausgesprochen beruhte diese Beziehung auf der Tatsache, dass ich beziehungsunfähig bin und daher entsprechend Distanz brauche. Auf dieser Basis war es für den Mann ziemlich ungefährlich über die Jahre hinweg immer mal wieder zu behaupten, er könne sich durchaus mehr vorstellen, und mit mir zu flirten, mein &#8220;Nein&#8221; war ihm sicher. Es war vertrautes Terrain &#8211; auch für mich. Da ich mir jedoch vorgenommen hatte, endlich neue Wege zu gehen und nicht immer wieder die alten Muster nachzuspielen, ging ich diesmal einen Schritt weiter, überraschte nicht nur mich, sondern besonders ihn. Erst dadurch wurde die gut versteckte Unterkonstruktion freigelegt. Oder wie mein Therapeut trocken meinte: &#8220;Es überrascht Sie doch nicht wirklich, dass es mit xy nicht geklappt hat, oder?&#8221; Nein, es überraschte mich nicht.</p>
<p><strong>Von klein auf bin ich es gewöhnt</strong>, mich auf wechselnde Situationen und Stimmungen schnell und flexibel einzustellen. Menschen, die von einem Thema zum nächsten springen, erst dies, dann jenes planen und dann doch wieder alles über den Haufen werfen und anders handeln müssen sind mir vertraut. Ich kann mich anpassen und darauf reagieren. Dementsprechend &#8220;pflegeleicht&#8221; bin ich in Freundschaften. Inzwischen jedoch denke ich, dass ich folglich genau solche Menschen kennen lerne und in meinem Umfeld sammle, weil sie mir vertraut sind. Durch die Tiere habe ich erkannt, was ich mir wirklich in einer Beziehung wünsche, und was ich in den vielen bisherigen Freundschaften und Beziehungsversuchen vermisste: Klarheit und Beständigkeit, gemeinsames Wachsen, Zuverlässigkeit, Verantwortung füreinander übernehmen und diese leichte Zärtlichkeit und Freude darüber, weil man zusammenleben darf.</p>
<p><strong>Auch wenn ich vor diesem Neuen und Fremden Angst habe</strong> und die Versuchung für mich groß ist, lieber in altbekannte, vertraute Muster zu fliehen, weiß ich, dass es diese anderen Menschen tatsächlich gibt: Meine Klarheit und Direktheit wird sie nicht in die Flucht treiben, und sie brauchen auch keine Vernebelungswolke, um mich auf Abstand zu halten. In ihrer Gegenwart bin ich kein &#8220;beziehungsunfähiger Borderliner&#8221;, der die Gesamtschuld am Scheitern der Beziehung mit größter Selbstverständlichkeit zugeschoben bekommt, sondern ein Mensch, der zusammen mit einem anderen Menschen das Wagnis des gegenseitigen &#8220;Zähmens&#8221; eingeht, an dieser Aufgabe wächst und zusammen mit ihm glücklich wird.</p>

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		<title>Borderline &#8211; Abstürze, Wut und Weiterleben</title>
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		<pubDate>Thu, 23 Sep 2010 17:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wocker</dc:creator>
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<p>Inzwischen habe ich gelernt mir zu sagen, &#8220;es ist nur eine Phase, es wird auch diesmal vorbeigehen&#8221;, wenn es wieder einmal soweit ist und ich abstürze. Wenn mir von einer Sekunde auf die andere die Luft ausgeht und mein komplettes Leben im schwarzen See versinkt. Was mache ich hier, wozu das Ganze, was hat das alles für einen Sinn, ich will weg, ich will alles hinschmeißen, am liebsten totsein, sofort, auf der Stelle. Wo ich hinschaue ist es plötzlich grau, keine einzige Farbe mehr, kein Leuchten, kein Lachen, keine Schönheit, die mich fasziniert, kein Wunder, das mich verzaubert, Leere -</p>
<p>Es gab Zeiten, da bin ich ihr entkommen, indem ich mich mitten hinein ins Leben warf, Partys, Feiern, Freunde, Experimente, Menschen, Ablenkung. Wildes verzweifeltes Leben-Wollen, Leben-Müssen, nur nicht aufgeben, weitermachen, stark sein, tapfer das Leben ertragen in seiner ganzen Unerträglichkeit. Gerade dann, wenn es mir am allerschlechtesten ging, war ich am fröhlichsten, munter, optimistisch, offensichtlich auch anziehend, denn es fanden sich immer irgendwelche Männer oder Frauen, die sich von meiner Maske blenden ließen.</p>
<p>Es gab Zeiten, da habe ich meinen Körper dafür büßen lassen, dass ich hier auf der Welt sein und diese unerträgliche Existenz Tag für Tag weiterleben muss. Ich habe mich überfressen, ich habe gehungert, ich habe nicht geschlafen, ich habe massenweise Cola getrunken, ich bin ewig durch die Stadt gelaufen, ich habe mich geschnitten. Mein Körper,<br />
das war der Feind, der Verräter, durch ihn war ich mit der Welt verbunden und gleichzeitig hatte ich keinerlei Bezug zu ihm, fühlte mich leblos, wie ausgestanzt, kilometerweit weg<br />
von anderen Menschen, der Welt um mich herum. <span id="more-604"></span></p>
<p>Es gab Zeiten, da verschwand ich einfach, und die reale Welt verschwand auch. Ich kämpfte gegen einen dunklen Herrscher, suchte ein weißes Schloß und bekam Botschaften von Krähen im Park. Alles hatte Bedeutung, Zusammenhänge entstanden, die außer mir keiner sah und die ich auch nicht erklären konnte. Alles war gleichzeitig völlig klar und beängstigend unklar, ich konnte meiner eigenen Wahrnehmung nicht mehr trauen und schwankte wie im Traum zwischen Schlafen und Wachen.</p>
<p>Ich kann auch im Nachhinein nicht sagen, ob es gut oder schlecht war, dass man mich mit starken Medikamenten ruhigstellte, dass man mich einsperrte und phasenweise zu meiner eigenen Sicherheit wie es hieß ans Bett schnallte, mir den Weg hinaus versperrte, mich bewachte, kontrollierte. Ich weiß, dass ich oft in solchen Momenten dachte, das ist das Ende, ich kann nicht mehr weiter, bitte, lasst mich endlich in Frieden. Sterben als Erlösung, keine Kraft mehr haben zum Weiterleben.</p>
<p>Und da war diese Wut, die aus großer Tiefe heraufstieg, brodelte und kochte, mich schließlich bis zum Rand hin ausfüllte und weitertrieb. Sie mobilisierte Kräfte, die ich nie für möglich gehalten habe, so dass ich nicht aufgab, nicht stehenblieb, nicht einfach mein Leben wegwarf. Sie lehrte mich kämpfen, vorwärtsgehen, durchhalten, leben.</p>
<p>Ich weiß, auf meine Wut ist Verlass, wenn &#8220;alle Stricke reißen&#8221; wird sie dasein und mir einen Ausweg zeigen. Inzwischen bin ich aber längst nicht mehr so auf sie angewiesen wie früher, denn ich habe solche Phasen oft schon durchgemacht und gelernt, dass sie vorübergehen. Abstürze kommen genauso rasch wie Aufschwünge, und manchmal genügt ein Gewitter, ein plötzlich am Himmel auftauchender Regenbogen, das Glitzern eines Libellenflügels und aus dem Häufchen Elend wird der glücklichste Mensch auf Erden &#8211; auch wieder extrem, aber diesen Augenblick brauche ich, um durch die dunklen Abschnitte zu kommen.</p>
<p>Therapeuten sehen das Behandlungsziel meist darin, dass man sich auf eine Mitte einschaukelt, mit nur geringen Ausschlägen nach oben und unten. Unter Medikamenten habe ich das kennengelernt, aber das war kein Leben für mich. Ich fühlte mich wie ein Automat, ausgebremst, zusammengedrückt, rechts und links Begrenzungen, die deinen Lebensschwingungen Einhalt gebieten, wie ein 2-Meter-Mensch in einem Puppenhaus.</p>
<p>Ich weiß, die Abstürze sind die Hölle, und ich werde sie nicht verhindern können, aber die Hochs nehmen ihnen Schwärze und Schrecken. Meine starke Empfindsamkeit ist Fluch und Geschenk, sicher wäre ich manchmal lieber dickfelliger, aber viel viel öfter bin ich dankbar und glücklich, dass der mattschwarze Schimmer auf dem Fell meiner Hündin oder<br />
Rauhreif am Grashalm mich berühren und staunen lassen. Ich möchte die Welt in ihren zahlreichen Facetten und unzähligen Nuancen wahrnehmen und erleben, auch wenn es<br />
anstrengend ist und mich phasenweise völlig überfordert, &#8220;es wird auch diesmal vorbeigehen&#8221;, und der Umschlag von Skepsis zu vorsichtigem Verstehen auf deinem Gesicht wird mich hinaufkatapultieren &#8211; Licht und Farbe.</p>

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		<title>Borderline, Identität und Beziehung</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jan 2010 08:18:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wocker</dc:creator>
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		<description><![CDATA[So wie ich bin, mag mich keiner. Wenn ich mein echtes Ich zeige, zerbricht die Beziehung. Wenn ich anderen etwas vorspiele, verliere ich mich selbst dabei. Identität ist ein schwieriges Thema. Wer bin ich, wie soll ich sein, wie sehen mich die anderen, wo ist mein Raum. Fragen, die immer wieder auftauchen und mich phasenweise… <a href="http://www.offene-plattform.de/2010/01/17/borderline-identitat-und-beziehung/" rel="bookmark">Alles lesen</a>]]></description>
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<p><strong>So wie ich bin, mag mich keiner.<br />
Wenn ich mein echtes Ich zeige, zerbricht die Beziehung.<br />
Wenn ich anderen etwas vorspiele, verliere ich mich selbst dabei.</strong></p>
<p><strong>Identität ist ein schwieriges Thema.</strong> Wer bin ich, wie soll ich sein, wie sehen mich die anderen, wo ist mein Raum. Fragen, die immer wieder auftauchen und mich phasenweise fast zerrissen haben. Da scheint es einfacher zu sein, sich an bereits bestehende Identitäten zu halten: Ich bin die Tochter, die sich meine Mutter vorstellt, ich bin die große Schwester, die die Verantwortung übernimmmt, ich bin der gute Kumpel, ich bin Skorpion, also bin ich&#8230;, oder so absurd das auch klingen mag, ich bin Borderliner, also bin ich&#8230; Identität wird so jedoch etwas &#8220;von außen&#8221;, da ich versuche, einer vorgegebenen Schablone zu entsprechen. Das spaltet mich, weil ich mein tatsächliches Ich unterdrücken muss bzw. gar nicht erst entwickeln kann. </p>
<p><strong>Irgendwann machte ich mich auf den Weg</strong> &#8211; zu mir? zu anderen? um mich weiterzuentwickeln? um mein wahres Ich zu finden? den Sinn des Lebens? Ich ging los, auch auf die Gefahr hin, von der Leere und Sinnlosigkeit in mir verschlungen zu werden und bestehende Beziehungen aufs Spiel zu setzen. Ich konnte es nicht ertragen, dass Menschen meine unkomplizierten und pflegeleichten Masken liebten und vor meinem zersplitterten Ich zurückwichen. Es war ein ständiges Versteckspiel, eine Farce, die mich auch in Gesellschaft einsam sein ließ. Echte Beziehungen ließen sich so jedenfalls nicht knüpfen, das war mir klar. </p>
<p><strong>Schwierigkeiten benennnen und nein sagen &#8211; das will ich nicht mehr.</strong><br />
Für mich war das damals besonders mein selbstschädigendes Verhalten, z.B. absolut ungesund essen, meinen Körper ignorieren, überfordern und ausbeuten, mich schneiden, mit Leuten zusammensein, die mich ausnutzen und mich missbrauchen, indem sie mich nur in einer bestimmten Funktion für sich selbst sehen, u.a. die gute Zuhörerin, die immer Zeit und ein offenes Ohr hat, für alles Verständnis aufbringt und je nach Bedarf zur Stelle ist, sprich an- und abgeschaltet werden kann. </p>
<p><strong>Sich Hilfe suchen und ja sagen &#8211; das wünsche ich mir.</strong><br />
Ich musste endlich wissen wer ich bin und Selbstrespekt entwickeln, ich wollte meinenKörper und mein Geschlecht annehmen können, um echte Beziehungen aufbauen und vor allem auch halten zu können. Mein damaliger Therapeut war der erste Mensch, der mir einen Raum nur für mich zur Verfügung stellte und mir die Chance gab, mich darin auszuprobieren und ihn anzufüllen. </p>
<p><strong>Seine innere Mitte zu finden</strong>, eine Basis, auf der man sicher stehen kann ist die Grundlage, um in Beziehung zu einem anderen Menschen zu treten, sei es nun freundschaftlich, partnerschaftlich oder auch einfach im normalen sozialen Umgang. Es bedeutet, dass man für sich einen eigenen Raum hat und auch dem anderen seinen Raum zugesteht. Dieser Prozess war für mich sehr, sehr schwierig, brauchte viel Zeit, ließ mich immer wieder straucheln und in alte Muster verfallen. </p>
<p><strong>Pläne machen und träumen &#8211; das kann ich erreichen.</strong><br />
In einem Erfolgsteamkurs lernte ich Menschen kennen, die mir guttaten, mich unterstützten und ermutigten, ich erkannte meine Fähigkeiten und bisherigen Leistungen, und konnte darauf aufbauend mein Hofprojekt in Angriff nehmen. Besonders die Tiere zeigten mir, dass ich sehr viel beziehungsfähiger bin, als ich selbst je gedacht hatte. Ich hatte genügend Ausdauer und Geduld, um in die Beziehung als Prozess einzusteigen und daran zu arbeiten. Durch diese Bestätigung von außen kam auch in mir etwas in Bewegung. Ein Ermutigungskurs half mir, dieses zerbrechliche, neue Ich zu stärken und zu entfalten. </p>
<p><strong>Bekannte Muster aufbrechen und Entwicklung zulassen &#8211; das kann ich werden.</strong><br />
Ich wollte nicht dabei stehenbleiben, ein Borderliner zu sein, das war nicht meine wirkliche Identität, aber es dauerte Jahre, bis ich mich selbst ernstnehmen und akzeptieren konnte, ein Gefühl für die eigene Mitte entwickelte und aus ihr heraus handelte. Inzwischen verlasse ich mich zunehmend auf meine Intuition und höre auf die innere Stimme. Selbstvertrauen ist für mich ein unglaubliches Geschenk, das im Laufe der Zeit entstand und mir wichtig ist, das ich mir aber auch immer wieder neu erarbeiten und festigen muss. Ich lerne gerade, mein bester Freund zu sein, und auch wenn es nichts Selbstverständliches ist, kann ich mich doch Stück für Stück darauf zu entwickeln. Mein Ich hat einen Raum gefunden und kann endlich sein. </p>
<p><strong>So wie ich bin, bin ich liebenswert.</strong><br />
Wenn ich mein echtes Ich zeige, kann ich echte Beziehungen aufbauen. Menschen, denen ich etwas vorspielen müsste, sind für mich nicht mehr interessant.</p>
<p>Und von einer Sekunde zur anderen kann auch alles wieder wie ein Kartenhaus einstürzen, mein Selbsthass springt mich an und lässt mich fliehen und zweifeln, abstürzen. Ich klopfe mir den Staub von den Kleidern und gehe weiter, meinen Weg.</p>

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		<title>Borderliner</title>
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		<pubDate>Sat, 25 Apr 2009 11:02:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Inga Wocker</dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltagsschilderungen]]></category>
		<category><![CDATA[Borderliner]]></category>
		<category><![CDATA[Bewusstheit]]></category>
		<category><![CDATA[Ehrlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[mühelos leben]]></category>
		<category><![CDATA[Verläßlichkeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Borderliner sind total irre, unausgeglichen und anstrengend. Bei denen wei&#223; man nie, woran man eigentlich ist. Borderliner sind laut, aggressiv, manipulierend und arrogant. Bei denen ist jede Therapie für die Katz, lass blo&#223; die Finger weg. Wer nie eine sichere, stabile Beziehung erlebt und kennen gelernt hat, sondern st&#228;ndig zwischen zu viel N&#228;he und riesengro&#223;er… <a href="http://www.offene-plattform.de/2009/04/25/borderliner/" rel="bookmark">Alles lesen</a>]]></description>
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<p>Borderliner sind total irre, unausgeglichen und anstrengend.<br />
Bei denen wei&szlig; man nie, woran man eigentlich ist.<br />
Borderliner sind laut, aggressiv, manipulierend und arrogant.<br />
Bei denen ist jede Therapie für die Katz, lass blo&szlig; die Finger weg.</p>
<p>Wer nie eine sichere, stabile Beziehung erlebt und kennen gelernt hat, sondern st&auml;ndig zwischen zu viel N&auml;he und riesengro&szlig;er Distanz hin- und her geworfen wurde, ist im Umgang mit anderen Menschen vorsichtig und misstrauisch, die Angst vor Ablehnung, Zur&uuml;ckweisung oder Missbrauch und Ausgenutztwerden ist gro&szlig;. Schutz bietet eine starke Fassade und selbstsicheres Auftreten, auch wenn es oft nur Maske und Schein ist.</p>
<p>Wer erlebt hat, dass Worte, Bedeutungen, ungesagt Gemeintes und Taten v&ouml;llig verschiedenes sein k&ouml;nnen, der hat zwangsl&auml;ufig sensible Antennen entwickelt, um Unaufrichtigkeit, Tabus, versteckte Botschaften und Befehle aufsp&uuml;ren zu k&ouml;nnen. Oft jedoch sind andere ver&auml;rgert, wenn Themen angesprochen werden, die sie lieber im Dunkeln lassen, wenn auf das reagiert wird, was sie gar nicht gesagt haben, was aber auf anderer Ebene wahrnehmbar ist:</p>
<p>Leute schreien mich mit hochrotem Kopf an, sie seien NIIIEEE AGGRESSIV!!! und eine untereinander v&ouml;llig zerstrittene Vereinsgruppe verstrahlt in jeder Sitzung Harmonie und Einigkeit, weil jeder genau wei&szlig;, welche Themen tabu zu sein haben. St&ouml;re ich nun das Selbstbild vom friedlichen, verst&auml;ndnisvollen Zeitgenossen bzw. der Gruppeneinigkeit, bin ich ruck-zuck der aggressive Borderliner, der Unordnung und Chaos bringt, vorher war alles so friedlich und einfach, war es das? Analog dazu Therapeuten, die nat&uuml;rlich wie jeder andere auch ihre blinden Flecken haben, sich aber meist gleich in ihrem Selbstbild vom &#8220;Therapeuten-&Uuml;ber-Vater&#8221; angegriffen f&uuml;hlen und aus purem Selbstschutz Borderliner als schwierig und therapieresistenz abstempeln, sind sie das?</p>
<p>F&uuml;r mich als Borderliner ist vieles um mich herum unsicher, br&uuml;chig, verwirrend und manchmal auch einfach nur zu viel. Ich brauche Klarheit und Aufrichtigkeit, Menschen, die bereit sind, ihre Wahrheit anzuerkennen und sich nicht wie bei einer Gehirnw&auml;sche gebetsm&uuml;hlenartig die gleichen So-soll-es-sein-S&auml;tze wiederholen, in der Hoffnung, dass sie dadurch richtiger werden. Harmonie, Liebe, Freude kann nicht auf Befehl angeordnet werden, Charakterz&uuml;ge, Probleme, Krisen verschwinden nicht dadurch, dass ich nicht hinsehe, mich nicht damit auseinandersetze oder sie einfach leugne und schwuppdiwupp wegdiskutiere.</p>
<p>Ich kenne meine Schwierigkeiten beim Aufbau und Erhalt von Beziehungen, dass ich lieber fliehe und den Kontakt abbreche, weil ich Angst davor habe, mich auf einen Menschen einzulassen. Ich wei&szlig;, dass ich aggressiv und impulsiv sein kann, dass ich andere mit meiner Art verletze oder kr&auml;nke, dass Offenheit und Klarheit wehtun k&ouml;nnen und vielleicht alte Wunden aufrei&szlig;en. Ich arbeite an mir, ich verstecke diese Schwierigkeiten nicht, und ich weiche nicht wie so viele &#8220;Normale&#8221; auf verdeckte Kampfmethoden aus, die genauso gemein und brutal sind, sich aber leichter vertuschen lassen und als &#8220;Missverst&auml;ndnis&#8221; weggeredet werden k&ouml;nnen. Im Zweifelsfall ist es nat&uuml;rlich am einfachsten, denjenigen auszuschlie&szlig;en oder zu diffamieren, der im Grunde genommen nur die &#8220;Nacktheit des Kaisers&#8221; festgestellt hat.</p>
<p>Borderliner haben wie jeder andere Mensch auch etwas zu geben und sind besondere Menschen. Ich kann sicher nicht f&uuml;r alle sprechen, aber ich z.B. bin kreativ, habe viele Ideen und laufende Projekte, ich bin begeisterungsf&auml;hig und spontan, mitrei&szlig;end und hilfsbereit. Ich kann Verantwortung &uuml;bernehmen und bin zuverl&auml;ssig, und meine Aggressivit&auml;t ist oft auch eine enorme positive Kraft, die mich vorw&auml;rtsbringt und Klarheit schafft. Vielleicht reicht das nicht, um in der Welt als vollwertiges Mitglied anerkannt zu werden, aber ich brauche dieses kleine Gegengewicht, wenn ich durch Vorurteile und pauschale Ablehnung w&uuml;tend und hilflos bin, damit ich meine Bestimmung nicht aus den Augen verliere und gerade als Borderliner die Welt ein bisschen sch&ouml;ner mache.</p>

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