Im Jahr 2007, im Sommer, war ich bei bestem Wetter mit dem Rennrad unterwegs; gemäßigtes Tempo, um Landschaft und Wetter zu genießen. So nach ca. 60min. spürte ich ein Unwohlsein, die Leistung lies nach. Ich führte das auf die Hitze zurück, fuhr langsam nach Haus. Die weitere Entwicklung lasse ich mal ungeschildert – nur soviel: ich hatte einen Herzinfarkt erlitten.
Was mir dann später durch den Kopf ging: wenn ich nicht in der Lage gewesen wäre, noch nach Haus zu kommen, wäre es mir vielleicht so gegangen, wie Björn Steiger. Auf dem Heimweg vom Schwimmbad wurde Björn Steiger von einem Auto erfasst – das war 1969. Passanten alarmieren zwar sofort nach dem Unglück Polizei und Rotes Kreuz. Trotzdem dauert es fast eine Stunde, bis der Krankenwagen eintrifft. Björn konnte nicht mehr gerettet werden. Er starb nicht an seinen Verletzungen, sondern am Schock.

Mit sieben Freunden der Familie gründen die Eltern Ute und Siegfried Steiger die Björn Steiger Stiftung als gemeinnützigen Verein. Ziel ist, die Notfallhilfe in Deutschland zu verbessern und die Aufgaben dann den zuständigen Organisationen und Behörden zu überlassen.
Während meines Aufenthaltes in der Reha-Klinik bin ich auf die Björn Steiger Stiftung aufmerksam geworden. Die Björn Steiger Stiftung hat den LifeService 112, eine Ortungsplattform, entwickelt. Sie steht den 112-Leitstellen kostenlos zur Verfügung, damit sie im Notfall Handys lokalisieren und damit die Rettungskräfte schnell an den Einsatzort führen können. Ich habe mein Handy dort registriert und kann jetzt unterwegs, falls mal wieder ein Notfall eintritt, geortet werden. Da ich mit dem Fahrrad viel auf Nebenstrassen und Feldwegen unterwegs bin und da Adressangaben im Notfall schwierig bis unmöglich sind, ist die Ortung über ein Handy lebensrettend.

Ich hatte Gelegenheit, Frau Melanie Storch, Pressesprecherin der Björn Steiger Stiftung, einige Fragen zur Arbeit der Stiftung zu stellen.
OFFENE PLATTFORM: Frau Storch, die beste und genaueste Form der Ortung im Notfall bietet ein GPS-Handy. Ein GPS-Handy haben aber z.Zt. wohl noch nicht allzuviel Menschen in Deutschland. Aber auch über ein normales Mobiltelefon ist eine Ortung im Notfall möglich. Wie läuft so etwas im Ernstfall ab?
Melanie Storch: Im Notfall wählt man wie sonst auch die Notrufnummer 112 und landet dann in der nächsten Notrufzentrale.
Der Disponent am Telefon wird fragen, was passiert ist und wo sich der Anrufer befindet. Kann dieser seinen Standort nicht oder nur ungenau nennen, wird nach dem Einverständnis gefragt, das Handy zu lokalisieren.
Das funktioniert folgendermaßen: Jedes Handy wählt sich in einer Funkzelle ein, die bei dieser Lokalisierung dann innerhalb von Sekunden von der Rettungsleitstelle ermittelt wird und an den Rettungswagen per Funk weitergegeben wird, um schneller Hilfe leisten zu können.
OFFENE PLATTFORM: Ergeben sich durch die nicht ganz so genaue Form der Ortung über ein normales Mobiltelefon kritische Probleme für den Notrufabsender oder ist in jedem Fall eine Ortung gewährleistet?
Melanie Storch: Natürlich ist eine Ortung über GPS, also über Satelliten, sehr viel genauer, aber generell ist eine Funkzellenortung besser als keine Ortung. Vor allem, wenn gar keine Informationen vorliegen, weil der Patient zum Beispiel nicht mehr sprechen kann. Oder wenigstens der Ort eingekreist werden kann und man nicht mit dem Hubschrauber über einen ganzen Landkreis fliegen muss.
OFFENE PLATTFORM: Seit diesem Jahr ergänzen sie den Ortungsservice durch eine sog. LifeSensor Notfallakte. In dieser Notfallakte kann ich meine Krankheitsdaten hinterlegen, so dass in einem Notfall die Rettungskräfte diese wertvollen Informationen am Einsatzort zur Hand haben. In welcher Form werden diese Daten an die Rettungskräfte übermittelt? Ist gewährleistet, dass in der naturgemäß hektischen Situation diese Daten vollständig und verständlich bei den Rettungskräften ankommen?
Melanie Storch: Der Disponent sieht diese Daten vor sich auf dem PC und übermittelt diese wie auch die Standortangaben bisher per Funk an das Team im Rettungswagen. Natürlich wird der Disponent diese Angaben nach bestem Wissen an das Team weitergeben.
Den Life Service 112 musste ich bisher nicht in Anspruch nehmen – das sollte auch so bleiben. Aber vielleicht kann man nachvollziehen, dass dieser Service der Steiger Stiftung, meine Lebensqualität deutlich verbessert.
Die umfangreiche Arbeit der Stiftung in der Notfallhilfe (siehe >> hier) unterstütze ich seitdem auch finanziell, zumal der LifeService 112 über das Handy kostenlos angeboten wird.
Ich bin erst nach dem Notfall auf die Björn Steiger Stiftung aufmerksam geworden. Dieser Artikel soll vor einem Notfall auf die Möglichkeit der Handy-Ortung aufmerksam machen. Es geht oft um Sekunden und Minuten.
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