Was ist eigentlich … Jodsensibilität
| 10. Juni 2010 | Veröffentlicht von jodsensibel unter Jodsensibel |
Ich kann mich noch gut an das merkwürdige Gefühl erinnern, das mich befiel, als ich 2001 meine Hashimoto-Diagnose bekam. Hashimoto, das wusste ich aus der Vorbereitung für meine HeilpraktikerInnen-Zulassung, ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Wieso hatte ich eine Autoimmunerkrankung? Wieso war ausgerechnet mit meiner Schilddrüse etwas nicht in Ordnung? Irgendetwas stimmte hier nicht – das sagte mir mein Gefühl.
Es dauerte noch ein paar Jahre des Leidens, bis ich zur Erklärung und damit zu einem angemessenen und erfolgreichen Therapieansatz für meinen mir so unerklärlichen Zustand mit verschiedensten Störungen und unglaublicher Erschöpfung fand: ich bin jodsensibel.
Dieses Phänomen – in der medizinischen Literatur der 20er und 30er Jahre des 20.Jahrhunderts beschrieben – scheint den meisten ProfessorInnen, ÄrztInnen, HeilpraktikerInnen, ErnährungsberaterInnen, KüchenchefInnen heutzutage unbekannt zu sein. Gerne wird kritisches Nachfragen zur Verwendung und zur individuellen Verträglichkeit von Jod als „Jodhysterie“ oder „Verteufelung von Jod“ abgestempelt. Weit verbreitet und fest verankert ist die Anschauung, Deutschland sei Jodmangelland und wir sollten flächendeckend jodiertes Salz verwenden, um der drohenden Gefahr einer Unterversorgung vor zu beugen. Selbstverständlich sei damit keinerlei Risiko verbunden.
Der bedeutendste Jodeintrag kommt jedoch garnicht vom jodierten Salz. Dass über Tierfutter-Jodierung Jod in zum Teil beachtlichen Mengen insbesondere über tierische Milch und deren Produkte in unsere Körper gelangt, ist den wenigsten in ganzer Tragweite bewusst. Diese indirekte Jodierung unterliegt keiner Deklarationspflicht. Eine realistische Aktualisierung von Lebensmittel-Tabellen zum tatsächlichen Jodgehalt unserer Nahrungsmittel lässt auf sich warten.
Wie z.B. Kaffee sehr unterschiedlich vertragen wird, kann auch die individuelle Reaktion auf Jod von Fall zu Fall verschieden sein. Gefährdet sind Menschen mit (familiärer) Schilddrüsen-Problematik. Dass sich bei dauerhaft erhöhter Jodzufuhr eine Überfunktion dieses lebenswichtigen Organs verstärkt – wie bei Morbus Basedow oder „heißen“ Knoten – erscheint uns logisch; im Umkehrschluss assoziieren wir mit der Unterfunktion der Schilddrüse den Jodmangel.
Wie ist es nun bei Hashimoto? Hier führt Zerstörung von funktionalem Schilddrüsengewebe langfristig zur Unterfunktion. Doch diese Schilddrüsenunterfunktion entsteht gerade nicht durch Jodmangel. So mutet es für unser Verständnis paradox an, dass im Falle der Autoimmun-Thyreoiditis (AIT) „Hashimoto“ die Unterfunktion nicht durch zuwenig Jod, sondern im Gegenteil durch zuviel davon entstehen kann. Einfach gesagt: Zuviel Jod macht jodsensible Schilddrüsen kaputt.
Das ist gewöhnungsbedürftig. Als Ansprechpartnerin der von mir ins Leben gerufenen Selbsthilfegruppe zur Jodsensibilität – der deutschlandweit ersten zu diesem Thema – höre ich von Betroffenen, dass ihnen ärztlicherseits bei Hashimoto ein Kombipräparat verschrieben wurde, das Schilddrüsenhormon plus Jod enthält. Dabei kann gerade die Vermeidung von Jod – z.B. durch jodarme Kost – eine Therapiemöglichkeit sein. Auch bei heilpraktischer Behandlung kommt es vor, dass jodhaltige Kräuter verschrieben werden wegen der Unterfunktion und dem damit fälschlicherweise assoziierten Jodmangel.
Obwohl der Anstieg von Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse im Zusammenhang mit der Einführung der „Allgemeinen Jodprophylaxe“ erwartet und auf einem Endokrinologen*-Kongress angekündigt werden konnte, mangelt es an entsprechender medizinischer Fort- bzw. Ausbildung, problembewusster Diagnostik und individuell differenzierter Therapie – ganz zu schweigen von Prävention und Bewusstsein für Risikogruppen, obwohl es alarmierende Zahlen gibt!
Laut Ärzteblatt** wurden 2006/7 bei dreizehn Prozent (!) der Bevölkerung unentdeckte AIT-spezifische Antikörper nachgewiesen. Da reiben sich ProduzentInnen von Schilddrüsenhormon, meistgeschlucktes Medikament in Deutschland, vermutlich die Hände… Dass die Pharmaindustrie die Aufklärung zur Jodsensibilität fördert, erwarte ich nicht. Allerdings engagiert sie sich für den Arbeitskreis Jodmangel, hierzulande Motor der Jodierung, und seit 2006 für die jährliche Aufklärungskampagne zur Schilddrüsengesundheit.
Wenn ein Betroffener von der positiven Wirkung einer jodarmen Kost durch eigene Erfahrung überzeugt ist und das auf verschiedenen Wegen zugesetzte Jod im Nahrungsangebot konsequent umgehen möchte, bedeutet das, dass er oder sie kaum mehr mit oder bei anderen essen (gehen) kann.
Niemand wundert sich wenn ein von Diabetes geplagter Mensch keinen Zucker nimmt und auf seine Kalorien achtet.
Dagegen weiß oder ahnt kaum jemand, wie schnell zuträgliche Jodmengen durch unsere gewöhnliche Ernährung überschritten werden können und welche unangenehmen Folgen das bei funktionalen Schilddrüsen-Störungen auslösen kann.
Je nach Lebenssituation ist Jodvermeidung mehr oder weniger schwierig und bringt zusätzlichen Stress. Der wiederum soll bei Schilddrüsenproblemen eher vermieden werden. So wird Jodvermeidung zu einer Quadratur des Kreises.
Ärgerlich und frustrierend wird es für Betroffene, wenn sie unterwegs einmal hungrig werden. Trotz des Überangebotes an Essbarem findet sich nicht selten nichts, was mit gutem Gewissen einer jodsensiblen Schilddrüse zuzumuten wäre. Insofern ist es prima zu wissen, was geht und was nicht – aber ohne Alternative zu all dem jodierten Zeug macht es letztlich wenig Sinn.
Es läuft darauf hinaus, dass man seine Versorgung relativ zeitaufwändig voraus schauend planen und vorbereiten muss, was Einkauf und Zubereitung betrifft und sein Essen für den Tag mit sich herumträgt.
Verreisen ist in einer jodierten Welt für Jodsensible ein Kapitel für sich.
Die Erklärungen anderen gegenüber, die noch nie davon gehört haben und dazu neigen, einen für bekloppt zu halten, machen das Leben auch nicht angenehmer.
Alles in allem findet durch Unwissenheit und die einseitige öffentliche Warnung vor Jodmangel eine massive soziale Ausgrenzung Betroffener statt, die versuchen der Jodierung zu entkommen.
Dazu trägt bei dass maßgebliche Institutionen wie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) die Jodierung unterstützen bzw. mit den Augen der Betreiber unkritisch betrachten.
*Endokrinologie: Lehre von den Hormonen
**Grünwald, Frank; Middendorp, Marcus „Neue Erkenntnisse zu Erkrankungen der Schilddrüse“ / Dtsch Arztebl 2008
Kontakt Kali Balcerowiak
Tel. 030 / 345 32 58
e-mail: jodsensibel_berlin@yahoo.de
homepage: www.jodsensibel.info
Ein Vortrag von allgemeinem Interesse von Peter Ferreira
Fähigkeiten von Salz und Wasser
Empfehlenswert zum Weiterlesen
Dr.med.M.O.Bruker, Ilse Gutjahr „Störungen der Schilddrüse / Störungen, Ursachen, Heilbehandlung, Der Jodsalz Skandal“ ISBN-3-89189-062-1 mehr…
Ute Aurin „Risiko Jod – Die unterschätzte Gefahr“ ISBN 3-89881-055-0 mehr…
Feministisches Frauen Gesundheitszentrum e.V. Berlin (Hg.) „Die Schilddrüse – Kleines Organ mit großer Wirkung“ ISBN 978-3-930766-19-1 mehr…
Informationen zur Autorin/zum Autor
Dieser Artikel wurde am 10.Juni 2010 von jodsensibel geschrieben.
Kali Balcerowiak +++
Ich lebe und arbeite in Berlin +++
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Fotografin, Nahrungskritikerin, Autorin +++
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Dies ist ein Blog für die, die selbst kein Blog haben - weil sie sich nicht mit der Technik befassen wollen, weil sie keine Zeit haben, ein eigenes Blog zu betreiben..... usw.. Hier kann der "Off-Liner" bloggen - nur mal so, zu einem Thema oder ständig über ein Projekt etc. Bei Interesse, bitte über das 





danke für diesen informativen Bericht, ich selbst habe mich schon immer über diese Jodmangel-Hysterie gewundert, aber dass sie tatsächlich für einen beträchtlichen Teil wirklich gefährlich werden kann, lässt mich doch sehr nachdenklich zurück, gerade im Hinblick auf Ärzte und Pharmaindustrie, die fast schon fahrlässig und unverantwortlich ihre Priorität wohl eindeutig auf Gewinnmaximierung gelegt haben. Alles Gute für die Selbsthilfeinitiative.
[...] PLATTFORM Gastbeiträge von Kali Balcerowiak – Was ist eigentlich Jodsensibilität, Hinweis auf Informationsveranstaltung zu [...]
Nachdem ich “Kontakt” mit dem Selbsthilfe “jodsensibel” aufgenommen hatte, weil ich Selbst eine bin die Hahimoto hat . Bin ich etwas entäuscht, da ich leider keine Rückantwort bekam. Ich möchte versuchen aus meiner Sicht “mein” Hashimoto zu beschreiben. Das mich nun schon zig Jahre begleitet. Begonnen hatte es damit….Ich wurde schwächer und schwächer , machte mich irgendwann auf die Suche. Was stimmt mit mir nicht. Die Schulmedizin fand dann mein “Pro-blem”, ich wurde zuerst behandelt mit JODID. Danach sollte ich HORMONE einnehmen. Ab dort war ich persönlich” wirk-lich” krank. Ich konnte und wollte die Hormone nicht nehmen. Irgendetwas in mir, mit mir, verweigert die Hormone…Das ich hashimoto habe, erfuhr ich dann, als ich auf dem Weg der Suche, was mit mir nicht stimmt. Eine Reha beantragt hatte. Ich habe mir den Entlassbericht dort geben lassen. Nicht dem arzt sondern ” mir”. Es geht ja um mich. Dort erfuhr ich zum erstenmal von Hashimoto. Es stand dort ” schwarz auf weiss”. Ich begann zu flattern, ich begann zu rouitieren. Was ist denn jetzt los mit mir? Es ging mir immer besch….eidener. Ich besorgte mir ein Buch über meine “Krankheit….Ich suchte nach antworten im Internet. Ich habe mich lange , mit einem Schmetterlingsforum auseinandergesetzt…Aber ich hatte was ich hatte. Ich suchte den weg über die Hildegard v.Bingen Medizin. Ich ging zum gesprächstherapeuten….Was Hat meine Seele, das sie so krank geworden ist , am Körper. Ausdruck der Seele , ist der Körper. das ist meine “meinung”.
Ich verlangsamte somit mein bisheriges leben. Nicht mehr soviel, nicht mehr so schnell, nicht mehr so lang. Ich “musste” (durfte)meine bisherige Gesprächstherapie beenden, weil ich keine HORMONE einnehmen will, darf ich Gesprächstherapeutisch nicht mehr behandelt werden. Dort sagte ich:” Ich bin “meiner” Krankheit,dankbar, denn sie will mir zeigen wo und wie ich “unbalanciert” bin. Die Schilddrüse wird ja auch als Steuerrungssystem bezeichnet. Vielleicht, zwischen Geist- Körper und Seele? Wer Hat das Steuer in der Hand? Ich nehme nichts mehr ein. Ich komme damit klar. Algen haben mir noch mehr “Schwäche ” beschert. Hab ich weggelassen. Mein Arzt sagte zu mir, als ich die Hormone verweigerte:” Sie werden sterben.” ich fragte ihn:” Sie nicht?”….Das ist mein Umgang mit der “Krankheit” Hashimoto”. Die mir die zeit und die Muse gab, mich mit mir und meinem bksherigen leben auseinanderzusetzen. Na ja, geld habe ich dabei nicht verdient.Ich wollte schon mit 49 die rente einreichen, weil es mir so schlecht ging. heute geht es mir besser den je. Meine “Krankheit” machte es mir möglich, meine Leistungsfehler aus der Vergangenheit im Hier und Jetzt, wieder auszubalancieren. Ich muss nicht mehr “müssen. Ich kann, wenn ich will. Ich nenne es mal schlicht und einfach….Etwas , was “krank” war in meinembisherigen Leben, wollte wieder “heil” werden. Die “gefühlten” Narben werden , vermutlich bleiben, vielleicht auch nicht. Aber ich bin dankbar…Doris
hi doris
als ansprechpartnerin der selbsthilfegruppe “jodsensibel ?!” bekomme ich per email und telefon regelmaessig anfragen von betroffenen aus ganz deutschland
ich weiss aus eigener erfahrung wie quaelend der zustand einer hashimoto sein kann und wie wertvoll es ist informationen zu bekommen die helfen ueber den tellerrand des eigenen elends hinaus zu sehen
deshalb bearbeite ich die anfragen die mich erreichen (ausser in meiner sommerpause) engagiert und zeitnah
insofern interessiert mich in welcher form du kontakt aufgenommen hast und ich wuerde gerne klaeren warum deine anfrage keine resonanz hatte
dazu muss ich sagen dass ich mails ohne betreff mit unbekanntem absender nicht oeffne insbesondere wenn sie im spam ordner gelandet sind
…oder beim anrufbeantworter wird nicht auf das schlusssignal geachtet und die telefonnummer fuer einen rueckruf ist nur halb drauf
…oder es wird eine mobilfunknummer angegeben da ist mir ein rueckruf zu teuer
ich habe deine beschwerde zum anlass genommen auf meinem anrufbeantworter die ansage zu ergaenzen “ich rufe gerne im festnetz zurueck”
in deinem beitrag ist zum blogthema jodsensibilitaet interessant dass du algen – meeresalgen? – nicht gut vertragen hast
meeresalgen sind die groessten jodlieferanten ueberhaupt
eine bitte an alle: DIES IST KEIN HASHIMOTO BLOG
dies kann ein forum sein fuer beitraege die erfahrungen mit den auswirkungen von jod beschreiben oder erfahrungen mit jodarmer kost oder die auf veroeffentlichungen zum thema aufmerksam machen und dergleichen
beitraege zu erfahrungen mit hashimoto sind willkommen passen aber besser zu meinen artikeln “informationsveranstaltung zur hashimoto” oder “hashimoto info abend” s.o.
doris moechtest du deinen wertvollen beitrag zu deinen erfahrungen mit hashimoto vielleicht noch einmal unter “hashimoto info abend” reinsetzen
dann koennen wir ihn hier loeschen
danke
kali
Ich habe einiges erfahren, was leider nichteimal die Ärzte sagen, die Meeresalgen sind die größten Jodlieferanten. Ich habe selber welche genommen und war ich auch immer nachmittags sehr müde, am meinstens mußte ich ein Schläfchen machen.
Da ich selber heiße Knoten auf der Schilddrüse habe und sie produziert zu Zeit zu viele Hormone , im Blut ist noch nichts sichtbar nur durch Ultraschall bestätigt, ist für mich sehr interessant zu erfahren, daß auch die Ernährung sehr wichtig ist und daß sie auch einiges bewirken kann. Ich versuche mich vegan zu ernähren, habe gelesen, daß leider durch verschiedene Dünger mit zugesetztem Jod auch Gemüse “verseucht” ist. Haben Sie für mich einen Tip, was man unbedenkt essen kann oder welche Lebensmittel sehr wenig mit Jod belastet sind, da es in Österreich auch einen “Jodzwangsgesetzt”gibt. L.G.aus Wien
Anna
hi anna
schön dass die wichtige information zum zusammenhang von schilddrüsenproblemen mit erhöhter jodaufnahme sie erreicht hat!
grundsätzlich lässt sich sagen: je bewusster wir uns ernähren, umso mehr können wir der jodierungsfalle entkommen.
ich selbst habe mit vegetarischer (= tierisch eiweissfreier) kost in überwiegend öko- bzw. bioqualität beste erfahrungen.
solange unsere risikogruppe medizinisch nicht zur kenntnis genommen wird und gesellschaftlich ausgegrenzt ist, bleibt es dem einzelnen überlassen, in der eigenen ernährung die verursacher im einzelnen zu erkennen, die zu beschwerden führen.
hilfreich ist der austausch mit anderen betroffenen, die auf jodiertes hinweisen und bekömmliches empfehlen. hierzu habe ich seit kurzem bei facebook die gruppe “jodsensibel” eingerichtet.
zur orientierung können tabellen nützlich sein wie zb http://www.jodkrank.de/tabellen_der_jodgehalte.html
je mehr beim einkaufen und beim essen ausser haus kritisch nachgefragt wird, um so eher wird es ein angebot für jodsensible geben.
allgemein gilt: so natürlich wie möglich essen und das essen selbst zubereiten.
ich freue mich über erfahrungsaustausch und wünsche alles gute
kali