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Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [3/5]

Es ist nicht alles zu Ende – ermutigende Erfahrungen (1)

Stephan

Ich habe versucht, eine Familie hier in Kiefersfelden zu finden. Der erste Schritt hierzu war, die neue Situation im Pflegeheim anzunehmen. Annehmen heißt für mich, etwas akzeptieren, was ich nicht ändern kann. Ich hatte ohnehin keine Kraft, mich darüber zu grämen, dass ich es nicht ändern kann. In eine Ecke stellen und schmollen wollte ich auch nicht. Der zweite Schritt war, dass ich nach kreativen Möglichkeiten suchte, mir das Leben lebenswert zu machen. Deshalb habe ich mit Bewohnern, Pflegern und Therapeuten Beziehungen gesucht und auch gefunden. Auch Menschen, die im Ort leben, habe ich kennengelernt. So sind Freundschaften entstanden, die bis heute bestehen. Auf diese Weise habe ich hier im Pflegeheim eine neue Familie gefunden. Dies soll kein Ersatz für meine wirkliche Familie sein und ist es auch nicht.
Wesentlich hat mir auch mein Glaube geholfen, denn Zuversicht, Vertrauen und positive Lebenseinstellung habe ich durch den Glauben. Obwohl ich mich anfangs von Gott und der Welt verlassen fühlte, habe ich die Gegenwart Gottes auch hier gefunden.

zusammen, by pixelio.de

Theresa

Ich weiß inzwischen, dass ich niemandem mehr zur Hand hätte gehen können, wenn ich zu Hause geblieben wäre. Dieses Gefühl, jemandem zur Last zu fallen, wäre schrecklich, und ich bin froh, dass es anders gekommen ist. Ich fühle mich hier im Haus durch Heimleitung und Pfleger, in der Krankengymnastik und in der MS- und Gesprächsgruppe sowie in den Einzelgesprächen so gut aufgenommen. Ich bin im Verlauf der Monate immer ruhiger geworden, und es könnte mir gar nicht besser gehen.
Ich fühle mich angenommen. Tatsächlich hatte ich von Anfang an das Gefühl dazuzugehören. Diese Freundlichkeit der Menschen hat mir sehr geholfen, und damit hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Dennoch war der erste Schritt sehr schwer. Ich musste nämlich lernen zu „resignieren“. Damit meine ich, dass ich mich von der Idee verabschieden musste, weiterhin irgendwie meinen Kindern helfen zu können. Durch diese Resignation musste ich gehen. Das war schwer, aber wenn man es schafft, das Leben so zu nehmen, wie es eben ist, dann wird es besser. Inzwischen weiß ich, dass ich todunglücklich wäre, müsste ich so hilflos, wie ich bin, bei einem meiner Kinder leben. Heute freue ich mich über jeden Besuch von ihnen und lebe sonst hier mein eigenes neues Leben. Ich empfinde keine Sehnsucht mehr, nach Hause zu kommen; mein Zuhause ist jetzt hier, und das ist gut so.

Vroni

Ja, man muss die neuen Lebensumstände wirklich annehmen. Mir haben dabei vor allem meine Angehörigen geholfen, die immer für mich da sind. Ich konnte und kann mich stets auf sie verlassen. Sie kamen und kommen weiterhin, ohne dass ich darum bitten muss. Der andere wichtige Punkt, der mir half, hier anzukommen, war die Freundlichkeit, mit der ich hier im Haus von allen Mitarbeitern aufgenommen wurde. Seit ich hier im Pflegeheim bin, habe ich auch diese schreckliche Angst nicht mehr und fühle mich ganz befreit. Es ist einfach immer jemand da, wenn ich Hilfe brauche, und ich muss mir nichts dabei denken, diese Hilfe zu beanspruchen. Ich hatte hier noch nie das Gefühl, dass man es mich spüren lässt, dass ich immer wieder um Hilfe bitten muss. Es ist einfach selbstverständlich, dass man versorgt wird und die Hilfe kriegt, die man braucht. Es ist eine schwere Entscheidung, ins Heim zu gehen. Ich hatte wirklich das Gefühl, „mein Leben“ zu verlieren. Dieses Gefühl habe ich allerdings jetzt gar nicht mehr; diese Angst war unbegründet.

Die anderen Teile des Berichtes:
Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [1/5]
Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [2/5]
Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [4/5]

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Dieser Artikel wurde am 14.Dezember 2009 von MS-Betroffene geschrieben.
Eine Gruppe von Multiple Sklerose-Betroffenen berichten aus ihrem Leben im Pflegeheim.
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3 Kommentare

  1. [...] Die anderen Teile des Berichtes: Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [1/5] Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [3/5] [...]

  2. [...] in ihren Alltag und in ihre Gedanken und Gefühle. Hier geht es zum – Teil 1 – , – Teil 2 – , – Teil 3 – ihres Berichtes. Wir wünschen uns, dass eine Veröffentlichung im Internet vielleicht ein klein [...]

  3. [...] anderen Teile des Berichtes: Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [2/5] Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [3/5] Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [...]

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