Was wollen wir mit diesem Bericht?
Dieser Bericht schildert unsere persönlichen Erlebnisse, Erfahrungen und Meinungen, die wir gerne an andere weitergeben möchten, und soll nicht als verallgemeinerndes Urteil über ein Leben im Pflegeheim verstanden werden. Er zeigt beispielhaft, wie unser Leben im Pflegeheim aussieht.
Wir berichten anhand einiger Beispiele, um Ängste, die aus Unwissenheit entstehen, abzumildern. Wir möchten unsere Erfahrungen teilen und auch über die Angst sprechen, die uns alle überkam, als wir mit dem notwendig gewordenen Umzug in ein Pflegeheim konfrontiert wurden.
Dabei geht es uns nichts darum, schlaue Tipps zu geben, wie man sich auf eine mögliche Heimaufnahme am besten vorbereiten könne, denn wir wissen selbst nur zu gut, dass kein Mensch das tut, bevor es nicht unausweichlich ist. Hauptanliegen ist uns, die Ängste zu mindern. Das Pflegeheim ist weit mehr als eine Notlösung oder ein Abstellgleis.
Welche Notwendigkeiten und Ängste waren das? – Einige Beispiele:
Stephan
(55 Jahre, im Heim seit 1995, MS-Diagnose seit 1987, Status: Pflegestuhl):
Nach zehn Jahren als MS-Betroffener bin ich auf eine Reha gefahren. Dort hab ich einen Schub bekommen. Durch die eingetretenen Verschlechterungen wurde mir klar, dass ich nicht mehr zu Hause werde leben können. Ich hatte drei kleine Kinder, und meine Frau hatte somit alle Hände voll zu tun. Mich hätte sie somit nur noch begrenzt pflegen können. Ambulante Pflege gab es zu dieser Zeit in unserem Ort noch nicht. Da ich aufgrund dieser Umstände selbst die Initiative
ergriff, in ein Pflegeheim zu gehen, gab ich meinen Ängsten nicht viel Raum. Dennoch war es mir recht mulmig zumute, da mich natürlich der Verlust meiner Familie sehr getroffen hat.
Die DMSG (Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft) hatte mir geraten, in den Alpenpark zu gehen, da es hier schon eine Gruppe von MS-Betroffenen gab. Als ich hierher kam, dachte ich, ich sei am Ende der Welt.
Theresa
(73 Jahre, im Heim seit 2006, MS-Diagnose seit 2003, Status: Rollstuhlselbstfahrerin):
Ich hatte viel Kurzzeitpflege-Erfahrung – das war immer schrecklich. Nach dem Einzug in den Alpenpark musste ich zunächst den ersten Schreck überwinden, denn ich wurde vor meiner Aufnahme in Kiefersfelden nicht darüber informiert,
dass dies hier ein Dauer-Pflegeplatz sein soll. Ich dachte, ich sei in ein neues Krankenhaus gekommen. Es dauerte Monate, bis ich mich von diesem Schock erholt hatte. Ich mache meinen Angehörigen keine Vorwürfe, denn der Umzug musste so schnell gehen, dass keine Zeit zum Nachdenken blieb. Meine Kinder wollten betreutes Wohnen für mich suchen, der Arzt meinte jedoch, dass dies nicht mehr ausreiche, da ich auch nachts Hilfe brauche. Meine Kinder waren in heller Aufregung weil sie nicht wussten, wohin mit mir. Ich selbst dachte im Krankenhaus, ich käme wieder nach Hause. Ich hörte dann durch die geschlossene Tür, wie der Arzt mit meinem Sohn sprach. Mit mir selbst hat niemand gesprochen, obwohl ich bei klarem Verstand bin. Als ich dann nach Kiefersfelden kam und mir klar wurde, dass dies ein Daueraufenthalt sein soll, konnte ich nicht fassen, dass keines meiner Kinder mich bei sich aufnehmen wollte. Anfangs hatte ich auch riesige Angst, all die schweren MS-Fälle sehen zu müssen; das war eine existenzielle Angst, mich damit konfrontieren zu müssen. Auch da muss man durch.
Vroni
(45 Jahre, im Heim seit 2005, MS-Diagnose seit 1991, Status: Rollstuhlselbstfahrerin):
Nachdem mein Freund mit mir Schluss gemacht hatte, ging es mir seelisch und körperlich sehr schlecht. Zu diesem Zeitpunkt wohnte ich alleine in meiner eigenen Wohnung und hatte morgens und abends Hilfe durch einen ambulanten
Pflegedienst. Durch die eingetretenen Verschlechterungen war dies nicht mehr ausreichend. Ich konnte meine Beine nicht mehr bewegen, und auch die Kraft in den Armen hatte nachgelassen. Außerdem bin ich oft gestürzt, und es war dann keine Hilfe da. Zu meiner größten Angst und Sorge wurde es, dass ich wieder stürzen könnte und keine Hilfe in Sicht wäre. Zudem hätte mich der ambulante Pflegedienst schon um 18.00 Uhr ins Bett gebracht, und ich wäre die ganze Nacht alleine gewesen. Beides wollte ich nicht mehr. Gleichzeitig wollte ich auf keinen Fall, dass Angehörige Pflegeleistungen erbringen müssen, vor allem nicht bei der Körperpflege. Beim Gedanken, in ein Pflegeheim umziehen zu müssen, hatte ich große Angst, dass ich meine Selbstständigkeit aufgeben muss. Das war die schlimmste Vorstellung für mich, weil mir meine Unabhängigkeit sehr wichtig ist. Für Kiefersfelden habe ich mich dann entschieden, weil hier Angehörige leben, die sich sehr um mich kümmern.
Die anderen Teile des Berichtes:
Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [1/5]
Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [3/5]
Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [4/5]

Dies ist ein Blog für die, die selbst kein Blog haben - weil sie sich nicht mit der Technik befassen wollen, weil sie keine Zeit haben, ein eigenes Blog zu betreiben..... usw.. Hier kann der "Off-Liner" bloggen - nur mal so, zu einem Thema oder ständig über ein Projekt etc. Bei Interesse, bitte über das 



[...] Die anderen Teile des Berichtes: Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [2/5] [...]
[...] sie Einblicke in ihren Alltag und in ihre Gedanken und Gefühle. Hier geht es zum – Teil 1 – , – Teil 2 – ihres Berichtes. Wir wünschen uns, dass eine Veröffentlichung im Internet vielleicht ein klein [...]
Wie dermaßen deprimierend Leute, die ins Pflegeheim kommen, die Situation empfinden, ihre eigene Wohnung und Selbstständigkeit aufzugeben, höre ich immer wieder – auch noch nach jahrelangem Heimaufenthalt und vor allem von Frauen.
Bin sehr gespannt, wie eure kleine Serie weitergeht.
Hallo ensa,
inzwischen ist der Bericht ja in voller Länge zu lesen und ich denke es ist jetzt klar geworden, dass die Autoren nicht über ihr schweres Schicksal klagen wollen, sondern sich mit dem Thema befassen, wie man auch als chronisch schwer kranker Mensch seine Würde auch in einem Pflegeheim bewahren kann und täglich neu einen selbstbestimmten Weg gehen kann. Ich würde mich sehr freuen nochmals von Ihnen zu hören und werde jeden Kommentar an die Gruppe weitergeben, die selbst Internet nicht nutzen kann.
Danke für Ihr Interesse.
Angela Gröschl-Eigenstetter
Leiterin der MS-SOWI-Gruppe
Ensa, freue mich, dass Du Dich hier im Blog zu Wort meldest!
Ich finde es mehr als nur toll, dass auch ihr euch mal zu Wort meldet. Wie soll ich sagen (?) ich gehöre irgentwie auf die andere Seite – irgentwie aber auch nicht
. Arbeite in einem Sozialberuf, und auch wir haben seit kurztem einen Blog (www.pflegeblog-twoday.net). Werde öfters mal bei euch reinschaun und mich zu wort melden. Bin schon auf eure Erzählungen gespannt. LG Nicole
Hallo Nicole,
danke für Deine anerkennenden Worte und Dein Interesse!
Der von Dir angegebene Link (www.pflgeblog-twoday.net) läuft auf eine Fehlerseite – meinst Du vielleicht dieses Blog: http://pflegeblog.twoday.net/ ?
Viele Grüße,
Hans (admin)
Hallo Nicole,
danke für Ihre Zeilen. Nun – Pfleger und Gepflegte sollten tatsächlich nicht auf sich gegenüber liegenden Seiten stehen – aber ich weiß, dass das im Pflegealltag und -stress durchaus mal so empfunden werden kann – von beiden Seiten. Vielleicht ist der Bericht der Gruppe gerade auch deshalb wichtig und hilfreich!?
Ich bzw. wir sind neugierig auf weitere Kommentare von Ihnen.
Freundliche Grüße auch von der Gruppe
Angela Gröschl-Eigenstetter
Leiterin der MS-SOWI-Gruppe
[...] den Kommentar von Nicole zu Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [2/5] bin ich auf das Blog Pflege in [...]
[...] anderen Teile des Berichtes: Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [1/5] Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [2/5] Multiple Sklerose-Betroffene berichten aus dem Pflegeheim [...]