Ich hatte aus der Not heraus (konnte meinen kurzen Arbeitsweg von 2 km nicht mehr laufen!) mit 57 Jahren noch einmal Fahrstunden genommen, nachdem mein Antrag auf finanzielle Unterstützung für den Erwerb eines eigenen PKW als Schwerbehinderte genehmigt war. Bis dahin war ich durch meine immer schlechter werdende Gehfähigkeit (ich brauche seit ca. 19 Jahren eine Unterarmstütze beim Laufen) auf die Mitnahmebereitschaft von sehr netten Kollegen oder auf ein teures Taxi angewiesen. Klappte das nicht, konnte ich weder einkaufen, noch meinen ehrenamtlichen Pflichten nachgehen. Dasselbe galt auch für alle Dinge des persönlichen Bereichs. Mein Mann half, wo er konnte aber er war Schichtarbeiter. So musste z.B. manchmal meine, ebenfalls auf Hilfe angewiesene Mutter oder meine rollstuhlfahrende Schwiegermutter umsonst warten, was mich wiederum psychisch sehr belastete.
Das Auto zu bekommen und selbst zu fahren, war für mich daher ein unbeschreibliches Glück. So empfinde ich auch noch heute. Aber was nützt das, wenn kein Parkplatz in der Nähe des Zielortes ist. Ich bin darauf angewiesen, dass die zurückzulegenden Wege möglichst kurz sind. D. h. ich benötige Parkmöglichkeiten in der Nähe des Zielortes, den ich erreichen will. Gibt es dort keine Parkmöglichkeiten, dann brauche ich gar nicht erst loszufahren oder ich verzichte von vornherein darauf, diesen Ort anzusteuern. Mit Parkerleichterung wäre ich also viel beweglicher.
Ich habe zwar fahren, einparken und schimpfen gelernt, aber ich musste auch lernen, dass das »Kämpfen« für mich noch lange nicht zu Ende war. Denn was nutzte das beste behindertengerechte Auto, wenn ich zu weite Wege vom Parkplatz habe, oder wie es mir oft passiert, dass jemand zu dicht beim Parken ans Auto heran fährt und ich nicht einsteigen kann. Ich kann leider nicht mit meinen mehrfach operierten und implantierten Hüften wie ein Gesunder einsteigen, sondern muss beide Beine »hineinheben«. Dazu aber braucht man genügend Platz, um das auch zu können. Wenn ich zugeparkt bin, passiert es mir sehr oft, dass ich Fremde bitten muss, mir doch einmal das Auto herauszufahren. Diese Hilfe muss man aber erst mal finden. Bis jetzt hatte ich Glück, dass keiner einfach mit meinem Auto davon gefahren ist.
1999 habe ich das erste Mal beim Ordnungsamt einen Antrag auf eine Parkerleichterung gestellt, weil ich der Meinung war, dass ich mit damals 80 Prozent Behinderung und dem Merkzeichen »G« (erhebliche Körperbehinderung) doch eigentlich eine Parkerleichterung erhalten sollte. Dem war aber nicht so. Heute habe ich 90 Prozent Behinderung und die Merkzeichen »G« und »B« (Begleitperson beim Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel) aber eine Parkerleichterung habe ich immer noch nicht.
Ich weiß heute, dass es nicht die Schuld des Ordnungsamtes in Dresden ist, sondern dass es gesetzliche Bestimmungen gibt, auf die sich die Mitarbeiter berufen. In denen heißt es, dass man mindestens oberschenkelamputiert oder querschnittsgelähmt sein muss, um das »aG« und damit die Parkerleichterung zu erhalten. Aber lassen sich Einzelschicksale wirklich in vorgefertigte Schubladen packen? Muss man nicht viel mehr berücksichtigen, welchen Zugewinn an Lebensqualität und wieder gewonnene Selbstständigkeit der betreffende Mensch erhalten könnte und müsste man nicht darauf die jeweilige Entscheidung begründen?
Jeder Arztbesuch, Einkauf, Friseurbesuch, Termin bei der Physiotherapie, gesellschaftliche Ereignisse wie Vereinsleben, Teilnahme an einem Arbeitskreis, Besuch von Messen oder z.B. schon der Weg zum Briefkasten sind für mich bereits seit ein paar Jahren nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Eine Parkerleichterung wäre daher für mich eine sehr große Hilfe und würde mir wieder mehr selbstbestimmtes Leben ermöglichen und meine Lebensqualität verbessern.
Ich möchte gern die Möglichkeit nutzen, mich hier im Internet zu diesem Thema mit anderen Betroffenen auszutauschen. Vielleicht kann ich über diesen Weg den einen oder anderen nützlichen Hinweis bekommen oder es gibt Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind und hier mitlesen. Dann freue ich mich sehr über Kommentare hier im Blog.
Erika Knobloch, Dresden
Dies ist ein Blog für die, die selbst kein Blog haben - weil sie sich nicht mit der Technik befassen wollen, weil sie keine Zeit haben, ein eigenes Blog zu betreiben..... usw.. Hier kann der "Off-Liner" bloggen - nur mal so, zu einem Thema oder ständig über ein Projekt etc. Bei Interesse, bitte über das 



[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Blogpaten , Blogpaten erwähnt. Blogpaten sagte: "Eine Parkerleichterung würde mir zu mehr Lebensqualität verhelfen…" http://tinyurl.com/y8j7c2b [...]
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[...] abseits, aber das geht nicht immer. Insoweit kann ich momentan gut nachvollziehen, was Erika Knobloch bei OFFENE PLATTFORM schreibt. Sie ist schwerbehindert und um überhaupt irgendwo hinzukommen, braucht sie ihr Auto. Und sie [...]
[...] Diese Video-Botschaft möchte ich allen zeigen, denen ein Thema am Herzen liegt, wie z.B. Frau K. aus Dresden, der MS-Gruppe im Pflegeheim, den Frauen von Lebendiger Leben! e.V., oder Rike und noch vielen [...]