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Bloggen und Staat in anderen Ländern

Andere Länder, andere Sitten, könnte man sagen – aber so einfach ist das nicht abgetan. Das bloggen mehr ist, als nur eine Tipperei in der Freizeit und die Netzwelt keine Nerd-Domäne, zeigen folgende Beispiele aus Cuba, Ägypten und den USA. Exemplarisch jedes für sich, aber auch übergreifend im Allgemeinen.

Yoani Sánchez: Über die Probleme, auf Kuba ein Internettagebuch zu führen

Die 33-jährige Bloggerin, die in ihrem Internettagebuch “Generación Y” vom Alltag in einem Land berichtet, das seit Jahrzehnten die Revolution probt, hätte heute eigentlich Grund zum Feiern. Sie hält 256 Seiten in den Händen, sämtliche Einträge seit dem Start ihres mittlerweile mehrfach preisgekrönten Blogs im April 2007. Freunde haben ihr beim Ausdrucken geholfen, und nun sieht sie zum ersten Mal, wie ihr Blog überhaupt aussieht. Denn auf Kuba ist er gesperrt, niemand, auch nicht sie selbst, kann ihn im Internet aufrufen.

Welch ein Enthusiasmus, ein Blog zu führen, ohne es selbst lesen zu können. Privatpersonen dürfen in Cuba offiziell keinen Internetanschluss besitzen und die Zugänge in den wenigen Cybercafés sind langsam, oft auch zu teuer. “Es gibt im ganzen Land zwölf unabhängige Blogger”, so Yoani, “Ich kenne sie alle.”

Blogger im ägyptischen Knast
Der deutsch-ägyptische Student, Blogger und Journalist Philip Rizk, 26, wurde in der Nacht vom vergangenen Freitag auf Samstag festgenommen, nach Angaben der Familie vom ägyptischen Inlandsgeheimdienst. Seitdem haben weder die Familie noch Philips Freunde etwas von ihm gehört.

Philip Rizk betreibt das Blog “tabulagaza”. Darin veröffentlicht er Berichte über palästinensische Flüchtlinge und den Gaza-Streifen. Das Thema beschäftigt ihn seit langem: Er hat selbst im Gaza-Streifen gelebt und einen Film über die Menschen dort gedreht. Er hat Journalisten unterstützt, die sich vor Ort selbst ein Bild der Lage machen wollten, und er hat geholfen, Medikamente dorthin zu schaffen.

Hasan Elahi durchleuchtet seit sechs Jahren sein Leben im Internet

Seit sechs Jahren macht Elahi auf dieser Website sein Leben transparent – als künstlerische Replik darauf, dass er im Juni 2002 als Terrorverdächtiger am Flughafen von Detroit festgehalten und in den folgenden sechs Monaten immer wieder verhört wurde. Elahi zeigt seither nicht nur Satellitenbilder und Fotos seiner Umgebung her, er publiziert auch seine Kontoauszüge und Listen all seiner Flüge und Telefonate im Netz.

Die Realität hat den Künstler eingeholt. “Latitude” aus dem Hause Google erlaubt gemeldeten Nutzern, die ein entsprechendes “Smartphone” besitzen, anderen ihre genaue Position auf einer Landkarte mitzuteilen. Andere US-Anbieter wie “Loopt.com” haben ähnliche Systeme entwickelt, um Ortungsdaten in Social-Networking- Plattformen zu integrieren. Nicht nur Botschaften für Freunde, sondern auch noch eine exakte Positionsbestimmung kommen jetzt dazu. “Meine Software ist damit fast redundant”, sagt Elahi. “Es ergibt nicht mehr viel Sinn, mein Werkzeug weiterzuentwickeln.”
Die Wirklichkeit lässt die Fiktion immer schneller hinter sich.

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Informationen zur Autorin/zum Autor

Dieser Artikel wurde am 15.Februar 2009 von Hans geschrieben.
Etwas zur Person: Am Rande der Eifel, etwas südlich von Bonn, wohne ich zur Zeit. Die Arbeit führt mich jeden Arbeitstag nach Köln. Vor gut einem Jahr habe ich damit begonnen zu bloggen und bin vor nicht allzu langer Zeit über den Kontakt zu den Blog Patenschaften auf die Idee gekommen, das Blog OFFENE PLATTFORM zu eröffnen. Ein Angebot für die, die selbst kein Blog betreiben, betreiben wollen - aus welchen Gründen auch immer. Ich betreue dieses Blog und unterstütze bei Bedarf die Autoren, die hier veröffentlichen möchten, in technischer Hinsicht. Erreichbar bin ich schnell und unkompliziert über das Contact-Formular. Wie man sieht, steuere ich ab und an einen Artikel bei.
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